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Schritt für Schritt zum professionellen UW-VJ (Unterwasser-Video-Jockey). Unsere "Lessons Learned" und "Best Practices" - das ist neudeutsch für: "... das haben wir aus unseren Fehlern gelernt und herausgefunden wie es besser funktioniert" - teilen wir gerne. Ausserdem ist konstruktive Kritik jederzeit willkommen.


Erfahrene Taucher wissen: Am Anfang ist alles neu und und erst mit der Erfahrung wird es dann einfacher. Das ist so ähnlich wie mit dem Autofahren. Für das Filmen unterwasser muss neben der perfekten Beherrschung der Tarrierung und der eigenen Ausrüstung die Handhabung der Video- und und Lichtanlage, sowie ein "gutes Auge" für Bild- und Szenengestaltung hinzukommen.

Schon für den ersten Teil, also die perfekte Beherrschung der Ausrüstung etc. gehören meines Erachtens zumindest 100-200 Tauchgänge ohne Videoausrüstung, in denen man seine taucherischen Fertigkeiten übt und lernt, mit verschiedenen Situationen zurechtzukommen.

Wenn man danach das erste mal mit einer Kamera ins Wasser springt, gibt es dort einen ähnlichen Lerneffekt: bei den ersten 10-20 Tauchgänge muss sich erstmal alles so richtig "einschleifen". Mann macht dann auch Fehler - und das ist gut so. Nur so wird man immer besser.
Bemerkung: erfahrende Taucher werden mir Recht geben, dass dieser Effekt im Prinzip bei jeder grundlegend neuer Ausrüstung besteht, wie z.B. beim ersten "Trockentauchgang". Deswegen die ersten Tauchgänge aus Sicherheitsgründen immer sehr konservativ durchführen.

Was sich übrigens anbietet: Man findet im Internet teilweise Online-Kurse zum richtigen Filmen mit einer DigiCam (nicht speziell für das Filmen unterwasser) - man kann dort sehr viel lernen und einfach auf das Filmen unterwasser übertragen.

Worauf es unterwasser im Speziellen ankommt ist im folgenden kurz aufgeführt - man kan damit aber auch ganze Bücher füllen.


Ganz am Anfang steht die Auswahl der Kamera. Es gilt dabei, mehrere Dinge zu beachten. Allem voran sollte in die Überlegung einfließen für welchen Zweck und wie oft man das Equipment einsetzen möchte, aber auch ganz grob wieviel man investieren möchte. Die Spanne reicht von Einsteigerkameras, die ab Werk wasserdicht bis z.B. 10 Meter Tiefe sind und die nur wenige hundert Euro kosten bis zu Profi-Kameras mit einer Einsatz-Tiefe von über 200 Metern und dem Gegenwert eines Kleinwagens.

Um dazwischen den richtigen Weg zu finden, können folgende Punkte helfen:


1.) "Ein gutes Video benötigt nicht unbedingt eine Top-Kamera!". Das soll heissen: Ein guter Video-Produzent/Kameramann/-frau kann mit einer guten Idee, einem guten Drehbuch auch mit einer mittelmäßigen Kamera ein gutes Video produzieren. Umgekehrt führt es aber meist nicht zum Erfolg: selbst die beste Kamera in den Händen eines unerfahrenen Anfängers, womöglich ohne Ausbildung führt meist zu Frust - zumindest am Anfang. Daher: lieber von Anfang an mit der "Hardware" kleiner einsteigen und sich dann rantasten. Und... am Anfang üben und auch in Aufbau von KnowHow investieren.

2.) "Wehr die Wahl hat .... Consumer oder Pro?". Im Prinzip gibt es diese beiden Welten: Consumer-Kameras und Pro Kameras. Sie unterscheiden sich in Funktion, Modularität, Sensorgrößen und Bandbreiten zwischen Sensor und Speichermedium... und natürlich im Preis. Mittlerweile gibt es im Consumer-Bereich echt gute Kameras mit teilweise schon beachtlicher Video-Leistung.
Der Pro-Bereich zeichnet sich z.B. aus durch:

  • Die Möglichkeit Objektive zu wechseln und damit eine noch bessere Darstellung und Tiefenschärfe zu erzielen
  • Meist sehr große, hochauflösenden Sensoren (4K), die besonders bei Aufnahmen mit schlechten Lichtverhältnissen (Low-Light Situationen) eine Aufnahme ohne "Grain" (= grisseln im Bild) erlauben.
  • Mehr Funktionalität, die es dem Kameramann ermöglichen viele Funktionen manuell zu steuern, aber auch das Ergebnis kalkulierbar in hoher Qualität zu produzieren.

3.) "Die Optik/Linse/Objektiv ist wichtiger als die Kamera". Das ist dann relevant, wenn man sich für eine Kamera mit "Wechselobjektiv" entschieden hat. Das ist genauso wie in der Fotografie - Eine gute Linse an einer eher mittelmäßigen Kamera kann dennoch tolle Ergebnisse produzieren. Umgekehrt funktioniert das meist nicht: Selbst der beste "Kamera-Body" kann mit einem minderwertigen Objektiv nicht glänzen.

Das wichtigste Objektiv ist meiner Meinung nach ein "Weitwinkel". So bezeichnet man Objektive, die eine sehr kleine Brennweite haben (z.B. 16 mm). Sie erlauben unterwasser eine "Landschaft" oder auch "Totale" einzufangen. Die Lichtbrechung des Wassers führt zu einer physikalisch bedingten, automatischen Vergrößerung der Brennweite um den Faktor 1,25. Genau deswegen benötigt man für eine "Totale" beim Einsatz Unterwasser noch kleinere Brennweiten als an Land.

Erst wenn man ein solches Objektiv sein Eigen nennt, kann z.B. über ein Makro-Objektiv mit fester Brennweite, möglichst Lichtstark nachgedacht werden. Makro-Objektive sind Objektive, die eine 1:1 oder größere Abbildung des Objekts auf dem Sensor ermöglichen und durch Ihre meist sehr kurze Fokusierungsdistanz (nur wenige Zentimeter) so die große bis übergroße Darstellung von sehr kleinen Objekten auf dem Bildschirm erlauben -> sehr nett z.B. bei kleinen Krebschen. erhältlich sind diese in unterschiedlichen Brennweiten, wie z.B. 30mm oder 50 mm.

4.) "Vorüberlegungen zu den Anschaffungskosten". Um Überraschungen zu vermeiden sollte man sich vor dem Unterwassereinsatz folgendes überlegen:

Hat man sich für eine Video-Kamera eines bestimmten Typs entschieden so muss man mit Zusatzkosten rechnen, wenn man den ganzen "Produktions-Prozess" von der Aufnahme bis zum fertigen Video betrachtet (= Workflow). Die Kosten sind je nach gewählten Kamera-Typ und verfügbarer Aufnahmequalität sehr unterschiedlich:

Einsteiger-Kameras, ab Werk wasserdicht: Es gibt mittlerweile sehr günstige Einsteiger Kameras, die auch ohne Gehäuse wasserdicht sind. Der Vorteil ist der geringe Anschaffungspreis und die Tatsache dass man neben Licht und Speicherkarte sonst nichts mehr benötigt und "loslegen" kann. Sicherlich gut geeignet für Videos beim Schnorcheln. Für ernstzunehmende Tauchgänge in größere Tiefen sind diese nicht gedacht. Auch wenn sie Einschränkungen in der Bildgestaltung haben kann man hiermit schon ansehnliche Ergebnisse produzieren und speziell in Situationen, bei denen es auf "Handlichkeit" ankommt greifen wir auch darauf zurück.

Consumer- und Pro-Kameras: Diese benötigen ein eigenes Gehäuse, das die Kamera gegen das Wasser schützt. Diese Gehäuse kosten in der Regel (Daumenwert) etwa so viel wie der Kamera-Body selbst. Hier ist je nach Einsatztiefe die Qualität entscheidend und man muß bedenken, dass beim Versagen des Gehäuses die Kamera meist komplett zerstört wird!

Ports und Linsen: Bei Consumer-Kameras stellt sich die Frage nach der Linse /Objektiv meist nicht, da dort schon die entsprechende Optik (Tele-Zoom Objektiv) fest verbaut ist.

Für Kameras der gehobenen Preisklassen und mit Wechselobjektiv gilt wie gesagt: nicht an den Objektiven sparen und Unterwasser eher Lichtstarke Objektive mit großen Blenden (=kleine Blenden-Zahl) verwenden.
Wie oben beschrieben ist mindestens ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv notwendig. Es gibt auch hier "Preisspannen", aber einige hindert Euro für ein gutes Objektiv müssen schon veranschlagt werden.

Für einige Einsteiger-Kameras und für Gehäuse aus dem Consumer-Bereich gibt es auch Weitwinkel-Vorsatz-Linsen. Solche "Vorsätze" verbessern die Bildwirkung bei Totalen, haben aber meist gegenüber einem Objektiv den Nachteil, dass sie zu Verzerrungen und Vignettierungen (dunkle Stellen) am Rand des Bildes neigen...

Im Pro Bereich und für professionelle Gehäuse nennt man die Erweiterungen, die das Objektiv nach vorn hin gegen das Wasser schützt "Port". Diese Ports kosten meist genauso viel wie das Objektiv selbst. Je nach Einsatzgebiet unterscheidet man hier "Dome-Ports" (für Weitwinkelobjektive) und Plan-Ports (für größere Brennweiten und Makro-Objektive).

Lichtanlage (kein Blitz): Anschaffungskosten für Akku und 1-2 (oder gar mehr) Licht-Köpfe können schon mal zwischen 300 - 1200 € betragen!

Speichermedien, Ersatz-Akku und sonstiges Zubehör: Ganz besonders für den marinen Einsatz, bei dem man oft keine Möglichkeit hat Akkus zu laden, sollte man mehrere Ersatz-Akkus griffbereit haben (für Kamera und Licht, ggf. auch für das Gehäuse). Speichermedien (z.B. Flash oder SD Card) sollten der Aufnahmequalität angepasst mehrere Stunden Aufzeichnung ermöglichen. Ohne zu spezifisch zu werden sollten für diese Komponenten mindestens zwischen 100 und 400 € kalkuliert werden

Rechner: Nur wer seine Videos am Ende bearbeitet / schneidet kann sie effektvoll einem Publikum zugänglich machen. Un-bearbeitete Videos sind meist nicht nur nach wenigen Sekunden langweilig, erzählen keine Geschichte, sondern sind auch farblich selten ansprechend und können meist nur einen "ersten Eindruck" einer Umgebung wiedergeben. Da ein PS in den meisten Haushalten zum Inventar gehört sei an dieser Stelle darauf verwiesen, dass für die Videobearbeitung die Anforderungen an die Leistung der CPU und GPU (Grafikkarte) so hoch sind, wie sonst wohl für keine andere Anwendung und dass man entsprechenden Festplattenspeicherplatz vorsehen muss, der ganz schnell in den Terrabyte geht. Diese Anforderungen wachsen entsprechend mit der gewählten Videoqualität (SD -> HD -> UHD)


Unterwasser Kamera-RigLicht ist unter Wasser extrem wichtig, da Licht von der Oberfläche mit zunehmender Tiefe immer mehr geschluckt wird. Abhängig von der Tiefe werden verschiedene Farben des Lichtes herausgefiltert - zuerst rot (bis ca. 10 Meter) und am Ende Blau (> 40 Meter). D.h. eine Lampe ist unverzichtbar und sollte nach Möglichkeit von der Farbtemperatur auch die des Tageslichts nachahmen. Nur so kommen die Farben der Fauna und Flora richtig zur Geltung.

Bei der Wahl der Lampe (oder des Lampenkopfes) sollte man darauf achten, dass dieser einen breiten Abstrahlwinkel und keinen Spot (hellen Punkt in der Mitte) hat. Wie man auf unseren älteren Videos sehen kann hatten wir da noch den falschen Lampenkopf.

Weißabgleich:

Neben der "Helligkeit", die man über Lichtmenge, Blende, Shutter-Geschwindigkeit und ISO Einstellungen steuern kann ist der "Weissabgleich" ein weiteres wichtiges Einstellungsmerkmal, um ansehnliche Szenen zu produzieren.

Mit heutigen Kameras wird schon viel an Automatik geboten, die das für den Filmer regeln. Generell als Tip: auf diese Automatiken verzichten und auf folgenden Punkte zurückgreifen. Bei einer Automatik kann man bei guten Szenen schnell in die Situation kommen, dass die Kamera versehentlich falsch nachregelt und so das Ergebnis "zerstört".

Einfachste Möglichkeit: Über Wasser auf einen "Unterwasser-Modus" der Kamera umstellen, sofern vorhanden. Wenn es diesen nicht gibt: manuelle Einstellungen auf einen Kelvin-Wert, der der Tauchtiefe und dem zu erwartenden Lichtverhältnissen angepasst ist. Hier benötigt es einiges an Übung und diese Lösung ist nicht besonders "flexibel": Je nach Tauchtiefe, Sicht- und Lichtverhältnissen, sind Einstellungen zwischen 5800K (Kelvin) und 6800 K (für tief) angesagt.

Manueller Weissabgleich unter Wasser vor der entsprechenden Szene. Das muss natürlich durch die Kamera und das Unterwassergehäuse unterstützt werden. Dazu richtet man die
Kamera auf einen möglichst weissen Punkt oder Fläche und wählt dann den manuellen Weissabgleich aus. Dies wiederholt man vor jeder Szene oder wenn sich Lichtverhältnisse und Tiefe gefühlt stärker geändert haben. Als ein Tip kann man als weisse Fläche die Flasche des Buddies verwenden, eine eigens mitgebrachte Schablone, oder aber wenn es die Tiefe noch zulässt die Kamera in Richtung Sonne richten.
 
Von der Verwendung von Farbfiltern halte ich nichts. Heutige Kameras und die Verwendung des Weissabgleichs in der Nachverarbeitung machen diese komplett überflüssig - sie schlucken nur notwendiges Licht.


Die Vorbereitung der Kamera für den Tauchgang ist extrem wichtig und man sollte sich Zeit dafür nehmen. Am Anfang hatte ich oft deswegen mit beschlagenen Linsen und "trüben" Szenen zu kämpfen. Da halfen alle Anti-Fog Tropfen und Silika-Kissen nichts.

Nach vielen Versuchen hat sich dann bewährt die Kamara am besten in einer trockenen, kühlen Umgebung in das Gehäuse einzusetzen. Ist das nicht so einfach möglich, macht man das zum Beispiel am Vorabend oder sehr früh morgens, weil es eben noch kühler und damit die Luftfeutigkeit der Umgebung geringer ist.

Bei dieser Gelegenheit prüft man intensiv alle O-Ringe, die Sauberkeit der Linse und die Akkus. Nichts Schlimmeres als wenn mitten im Tauchgang der "Saft" ausgeht. Hier empfiehlt es sich auch einen Akku mit grösserer Kapazität zu verwenden, der dann z.B. für zwei Tauchgänge hält. So muss man die Kamera nicht unnötig aus den Gehäuse nehmen und vermindert so das Risiko, dass sich Sand etc. auf die Dichtungen setzt.

Die Lichtanlage verdient natürlich genauso Aufmerksamkeit bei der Vorbereitung - aus genau den selben Gründen.

Geheimtip: Alu- oder Metall Gehäuse sind bezüglich des Beschlagens besser als die aus Carbon oder Polycarbonat. Ausserdem blase ich bei ungünstigen Bedingungen das Gehäuse vor dem Verschliessen mehrere Sekunden mit der extrem trockenen Luft aus der Pressluftflasche aus.


Nur Stichpunktartig ein par Dinge von denen ich Denke, dass Sie später bei der Nachbearbeitung einiges erleichern und ein besseres Endergebnis produzieren:

Idee vorab entwickeln und Szenen wie einen klassischen Tauchgang planen.
Dies im Buddy Team durchsprechen, so dass jeder genau weiss, was zu tun ist: Wie ein Tauchgangsbriefing gibt es so ein "UW-Set Briefing".
Keine ausgedehnten Zoom-In und Zoom-Outs.
Keine ausgedehnten Schwenks.
Konzentration auf ein Objekt und sich nicht ablenken lassen (Kamera nicht nachziehen).
Nach Möglichkeit auf den Autofokus verzichten.


Genauso wie Planung der benötigten Szenen kommt der Nachbearbeitung und dem Schnitt eine besondere Bedeutung zu.

Am besten geeignet ist ein sehr leistungsfähiger PC, besser noch eine Grafik-Workstation und ein Schnittprogramm. Je höher die Qualität des zu verabeitenden Materials ist (z.B. HD, 4K), desto höher sind die Anforderungen an diese Hardware.

Gerade dem Thema Licht- und Farb-Effekte müssen bei der der Unterwasserfilmerei grosse Beachtung geschenkt werden. Schiesslich wirken bei ungünstigen Lichtverhältnissen die Aufnahmen im Salzwasser tendentiell "blau" und im Süßwasser eher "grün". Mit der digitalen Nachbearbeitung kann man hier viel erreichen. Aber generell gilt: Bei einer schlecht aufgenommen Szene und einer z.B. totalen Über- und Unterbelichtung ist auch in der Nachbearbeitung nichts mehr zu retten!

Leichte Farb- und  Linsenverzerrungen, sogar Verwackler können allerdings digital nachbearbeiten werden. Am Ende werden dann mit Hilfe des Schnittprogramms die verschiedenen Szenen zu einer Gesamt-Storry zusammengestellt, mit Untertitteln, Musik, Sprechertext und Hintergrundgeräuschen versehen.

   
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