Shark Dive – Unser spannendster Tauchgang

Folgender Logbucheintrag ist sicherlich¬†emotional etwas √ľberzeichnet. Aus verst√§ndlichen Gr√ľnden ist es aber auch mein l√§ngster Eintrag √ľberhaupt:

Tauchgang 62
Ort El Quesir
Datum 09.01.2008
Uhrzeit 11:32
Tauchplatz Utopia Beach – Hausriff S√ľd
50 min s√ľdlich vom Einstieg
Tiefe (Max.) 40,6 Meter
Dauer 45 Minuten
Temperatur – Luft 25 Grad Celcius
Temperatur – Wasser 22 Grad Celcius
Besondere Vorkommnisse Unsere erste Haisichtung, aber was f√ľr eine!

Beschreibung

Wir waren √ľber Sylvester am Roten Meer – in El Quesier. Es war unser 62. Tauchgang mit unserem ersten Hai-Kontakt! Da das aber definitiv keiner von der kleinen Riffhai-Sorte war, hat sich das so in die Hirnwindungen eingebrannt, dass wir das wohl ewig nicht vergessen werden!

Vorab kann ich nur betonen, dass das nachhaltige Gef√ľhl von nackter Angst w√§hrend des Tauchgangs immer mehr in Begeisterung und Faszination f√ľr diese majest√§tischen Tiere umschwenkt ist.

Ein besonderer Tag beginnt

An diesem Tag waren wir zwei der wenigen (max. 6) Taucher, die √ľberhaupt ins Wasser aufbrachen. Es war generell nicht viel los auf der Tauchbasis und viele der wenigen Taucher waren wohl vom st√§rkeren Wind und der damit verbunden h√∂heren Wellen und Abk√ľhlung abgeschreckt worden ins Wasser zu gehen. Wie die zwei Tage zuvor haben wir unserem Zodiac Kapit√§n gesagt er solle uns an einem „Shark-Spot“ ins Wasser werfen. Da wir nicht ernsthaft daran glaubten einen Hai zu sehen haben wir dabei nat√ľrlich wie immer unsere Witze gemacht. Diesmal kam es aber anders!

Nach wenigen Minuten Fahrt vom Strand wurden wir an einer Riffspitze, 50 Tauchminuten s√ľdlich des Einstiegs zum Hausriff aus dem Boot geworfen. Es ist sehr sch√∂n dort mit einem kleinen Erg und einem Drop-Off auf ca. 41 m. Es gab dort sch√∂ne Korallen und sehr viel Fisch. Es war kaum Str√∂mung vorhanden. Wir sind dann langsam den Drop-Off hinunter. Dort unten war eine Koralle zu sehen, die stark an¬†einen Weihnachtsbaum erinnerte. Dort angekommen und der Warnung unserer Tauchcomputer folgend sind wir dann sehr langsam und ca. 15 min lang wieder auf 25 m und in hellere Wasserregionen aufgestiegen. Das Riff war an dieser Stelle ganz besonders sch√∂n – mit F√§cher- und Salatkorallen.

Nicht mehr Alleine

Pl√∂tzlich waren Sie da: drei Delphine, die sich offensichtlich f√ľr uns interessierten. Alle waren ausgewachsen und etwa gleich gross. Wir waren begeistert und haben angefangen¬†ein paar Purzelb√§ume zu schlagen und in unsere Lungenautomaten zu quieken (das war wahrscheinlich auch der Grund f√ľr das was dann passierte). Die Bande holte Luft und kam wieder zu uns runter. Dann haben sich die drei Tiere¬†in 10-15 m Entfernung vor uns im Wasser senkrecht aufgebaut. Ich hab sofort gedacht: „Super, jetzt k√∂nnen wir uns etwas n√§her kommen“.

Genau im gleichen Augenblick sind alle drei Delphine wie vom Blitz getroffen von -25 m auf -5 m hochgeschnellt, um dann wie D√ľsenjets im Tiefflug auf uns zust√ľrzend, an uns vorbei mit einer unglaublichen Geschwindigkeit im Blau hinter uns zu verschwinden. Ich war sehr beeindruckt von der Kraft, etwas entt√§uscht und gleichzeitig irritiert.
Als ich fragend zu Claudia schaute, die leicht vor mir schwamm, habe ich wahrgenommen dass Sie sehr nervös in alle Richtungen schaute.
Und dann kam „Es“ auch schon… von 2 Uhr (also von leicht rechts vorne), … frontal aus ca. 35 – 40 m Entfernung. Ein Hai! Und noch nicht mal ein kleiner! In den n√§chsten 25 Sekunden (solange hat das Folgende gedauert) gingen mir 1000 Gedanken durch den Kopf!

Zun√§chst, als das Tier noch in einiger Entfernung war, haben wir uns echt gefreut so etwas erleben zu d√ľrfen. „Cool, ein Hai! unser erster Hai! Ein sch√∂ner Hai!“.

Sehr langsam, gleichm√§√üig, total ruhig im Wasser liegend und mit relativ ruhigen, Bewegungen der Schwanzflosse kam er dann auf uns zu … frontal. Wie ein Zug der auf einer Schiene f√§hrt – nicht rechts, nicht links, nicht oben, nicht unten. Er kam immer n√§her.

Stimmungswechsel

Die anf√§ngliche Begeisterung ging bei einer Entfernung von 20 m in eine Besorgnis und dann, als er seine Route leicht √§nderte und ich die Gr√∂√üe und vor allem den „Kauapparat“ erkennen konnte, in nackte Angst √ľber.
Was mir sofort auffiel war die absolut symmetrische Schwanzflosse und das sehr deutlich, bei halboffenen Maul, erkennbare Gebiss – kein Riffhai!
Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie solche Angst gehabt, wenn auch nur f√ľr Sekunden. Das Teil hatte die Gr√∂√üe von mindestens zwei Delphinen, wahrscheinlich aber so knapp 4 Meter und die gut zu erkennenden Z√§hne des Oberkiefers waren schneewei√üe, gleichschenklige Dreiecke. Der K√∂rperumfang entsprach so ca. 2-3 mal der von mir. Seine Kurs√§nderung hat der Hai so eingestellt, dass er in 10 m Entfernung langsam an uns vorbei gleiten musste.

Ich hatte meine Hand zuvor an mein Tauchermesser gelegt … f√ľr den Fall das es ernst werden w√ľrde. Als ich aber die Gr√∂√üe des Tieres sah, habe ich die Idee sofort verworfen und meine Hand ohnm√§chtig wieder sinken lassen. Bei dieser Gr√∂√üe und Kraft: keine Chance auch nur im Ansatz damit erfolgreich zu sein.
Ab jetzt h√∂rte ich nur noch meinen Puls in den Ohren und sucht nach Auswegen und Schutz. Ich sah dass Claudi sich langsam nach unten sinken lies. Ich belie√ü sto√üartig in meinen Lungenautomat in der Hoffnung dass der Hai dann erschrecken und etwas abdrehen w√ľrde.
Ohne Erfolg: unbeirrt wie ein Zug behielt er den eingeschlagenen Kurs bei. Als er¬†neben uns war habe ich aus zwei Gr√ľnden weggeschaut: Einmal wollte ich mir das Elend und die „Sauerei“ nicht mit anschauen, wenn es dazu kommen w√ľrde und dann suchte ich auch nach Nischen im Riff, in die man sich zur√ľckziehen k√∂nnte (was nat√ľrlich in keinem Fall geklappt h√§tte).

Einige Sekunden sp√§ter als der Hai genau parallel an uns vorbeiglitt und ich mir gedacht habe, dass er meine Todesangst genau sp√ľrt, f√ľhlte ich mich irgendwie wie eine Ware an der Supermarktkasse. Dann habe ich den Entschluss gefasst Claudia ganz langsam nach unten zu folgen. So w√ľrde er erstmal anfangen mit unseren Flaschen zu spielen, wenn er denn wollte… statt von unten zu kommen, was glaube ich durchaus unangenehmer ist. Weitere Sekunden sp√§ter drehte ich mich um und sah, dass der Riesenfisch genauso schnurgerade wie er gekommen war in das offene Meer auf 5 Uhr (leicht rechts hinter uns) hinausschwamm.

Etwa zwei Minuten sp√§ter war dann mein Puls wieder von 160 auf halbwegs normale Werte gesunken – da ich Marathon laufe kann ich das glaube ich gut einsch√§tzen. Irgendwie wusste ich, dass er jetzt nicht wieder zur√ľckkommen w√ľrde. Die nackte Panik wurde nun wieder durch etwas Begeisterung aufgehellt.
Wir hatten bei der Aktion ziemlich viel Luft verbraucht und ich habe Claudia die letzten 10-15 Minuten an den Oktopus genommen, damit wir nicht an der Oberfl√§che zum Ausstieg zur√ľckschwimmen mussten.

De-Briefing

Nachdem wir das Thema intensiv verbal aufbereitet hatten war uns bewusst: statistisch und was man so aus wissenschaftlichen Berichten gelesen hatte, war es √§u√üerst unwahrscheinlich dass die Situation anders ausgegangen w√§re… und wenn wir jetzt nicht sofort wieder ins Wasser springen, w√ľrde vielleicht „Etwas“ zur√ľckbleiben.
Also haben wir beschlossen froh zu sein so etwas erlebt haben zu d√ľrfen und sind 2 Stunden sp√§ter wieder Tauchen gegangen. Am Anfang mit einem etwas komischen Gef√ľhl aber nach einer Weile haben wir dann schon wieder √ľber die Titan-Dr√ľcker, denen wir begegnet sind geschmunzelt.

Wir sind mittlerweile sicher dass nur 2-3 Hai-Arten in Frage kommen, denen unser Kandidat angeh√∂rt hatte und jetzt ist nur noch Freude und Faszination √ľbriggeblieben. Wir freuen uns schon auf das n√§chste mal, auch wenn es dann gern wieder ein kleinerer sein darf. Wir glauben wir sind Fans!

 

Sofort haben wir uns bei shark-project etwas engagiert und haben auch gespendet. Dort setzt man sich effektiv f√ľr den Schutz der Haie ein.

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